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Galaberichterstattung

                                                     

Oswald Sattler:"Grosser Gott wir loben dich!"

Einmaliges Konzert in Solothurn

 

 

Am Samstagnachmittag, dem 2. Mai 2009, herrscht vor der Kirche St. 
Marien in Solothurn geschäftiges Treiben. Techniker tragen Kisten mit 
Scheinwerfern, Kabeln, Mischpulten und Verstärkern in die moderne 
Kirche hinein. Helfer der Pfarrei bringen Tische und Stühle, da und 
dort wird diskutiert, was wohin soll. Eben noch wurden die 
Kirschblüten vom Vorplatz weggewischt, und schon schauen die ersten 
Gäste vorbei. Ein älterer Herr erkundigt sich, ob er noch ein Billett 
kaufen könne und wo er etwas trinken könne bis das Konzert beginne. 
Sechs Stunden sind es noch bis dahin, notabene.


Es hat heftig geregnet, doch nun blickt die Sonne durch die Wolken 
hindurch und rückt die riesigen Kirchenfenster von St. Marien ins 
richtige Licht. Soundcheck und Durchgehen des Ablaufplans, die ersten 
Künstler treffen ein; mehr als 30 werden ab 20 Uhr auf der Bühne 
stehen. Wobei die Bühne "Chor" heisst, das Konzert findet ja in einer 
Kirche statt. Eigentlich ein Ort der Ruhe und der Besinnung, im Moment 
herrscht jedoch noch das emsige Treiben vor einer Grossveranstaltung. 
Inmitten der ganzen Hektik entstehen dennoch gemächliche Inseln: 
Menschen finden Zeit für Gespräche. Nicht nur über das Anstehende, 
sondern auch über Gott und die Welt, und über uns Menschen mitten in 
ihr.


"Ist Oswald Sattler schon da?", erkundigt sich eine Dame. Sie ist mit 
ihrer Freundin aus dem Zürcherischen angereist und will dem Sänger ein 
kleines Präsent übergeben. Jemand setzt sich schon am späteren 
Nachmittag auf den reservierten Platz und wartet ruhig auf das 
Abendprogramm. Eine Frau aus der Ostschweiz diskutiert mit der 
Organisatorin und erzählte ihr, wie sehr sie und ihr Sohn sich auf den 
Abend freuen würden. Die letzten Plätze werden nummeriert: Werden wohl 
alle besetzt sein? Um halb Acht wird die Szenerie nochmals etwas 
hektischer, der Organisator steht in Funkkontakt mit der 
Technik-Equipe. Klappt auch ja alles?


Kurz vor acht Uhr ist die Kirche schon beinahe voll, draussen warten 
nur noch die letzten Besucher auf Einlass. Programme werden auf den 
Bänken verteilt, man freundet sich mit dem Sitznachbarn an; gespanntes 
Entspanntsein erfüllt die Kirche. Ab und zu erkennt man ein 
bekanntes Gesicht aus dem Fribourgischen, eine Bündnerin, einen 
Komponisten, einen Sänger? Die vielen Leute mit den Broschen und 
Schals sind unverkennbar Mitglieder der Fangemeinde, und die 
freundlichen Ministranten bieten weiterhin Getränke und Sandwiches an. 
Unmittelbar vor dem Beginn wünschen sich Team und Künstler gegenseitig 
viel Glück. Obwohl sie bereits riesiges Glück haben, denn in der 
Kirche warten über 600 Besucher: Das Konzert ist ausverkauft!
Der Glockenschlag um acht Uhr ist ausgeschaltet, der pünktliche 
Konzertbeginn ersetzt diesen. Monatelange Zeit der Vorbereitung, und 
nun geht es plötzlich um Sekunden! Das vierte Schweizer Konzert von 
Oswald Sattler mit religiösen Liedern fängt an.



Das Publikum wird vom Moderator freundlich und charmant empfangen. Mit 
Humor löst er die angestaute Spannung auf, es entsteht in der Kirche 
eine gelöste Konzert-Stimmung. Mit einem "Aber genug der Worte, hören 
Sie selber!" verlässt er die Bühne und macht den Musikern Platz.
Das Klassik-Ensemble unter der Leitung von Christoph Stibor macht mit 
dem Mozart-Stück "Alla Turca" einen rassigen Auftakt. Der Würzburger 
Pianist ist mit einer Geigerin, einer Cellistin, einer Sängerin und 
zwei Sängern angereist, um Oswald Sattler zu begleiten. Dann schwenkt 
der Scheinwerfer nach links und beleuchtet den Auftritt des Stars des 
heutigen Abends: Oswald Sattler.


Mit dem weltbekannten Loblied "Wie gross bist Du" beginnt er ohne 
Umschweife seinen ersten Part. Der besinnliche Auftakt ist Programm im 
Konzert mit Liedern, die ihre Wurzeln in der Kirche haben. Vom "Geist 
der Freude" singt der Südtiroler, der "Via Dolorosa" und "des Himmels 
rote Rosen". Das Publikum lauscht gespannt, gar andächtig.
Nun treten die Lokalmatadoren auf: Der Singkreis St. Marien füllt die 
ganze Breite des Chores. Über 25 Sängerinnen und Sänger der 
Kirchgemeinde sind festlich gekleidet, und genau wie ihre Erscheinung 
erklingen auch ihre Lieder "Herr, deine Güte reicht so weit" und 
"Cantate Domino". Die Dirigentin Andreina Fischer leitet die 
Solothurner sicher durch die besondere Aufgabe, das Konzert eines 
international bekannten Sängers passend zu umrahmen. Gleich im 
Anschluss spielt das Stibor-Ensemble das bekannte Lied "Habanera", um 
damit wieder den nächsten Oswald Sattler-Teil einzustimmen.


Nach zwei gesungenen und zwei eher gesprochenen Lieder macht sich ein 
illustres Trio im Nebenraum des Kirchenchors bereit: Käthi Kaufmann 
aus Aarburg bläst noch einmal leise über ihre Panflöte, ihr Partner 
Kurt Ott übt mit dem Mundstück seines Alphorns. Ja, auch bei den 
gestandenen Künstlern des "AlpPan Duos" liegt eine gewisse Nervosität 
in der Luft. Aber das Duo tritt heute als Trio auf, und der Dritte im 
Bunde, der Organist Georg Masanz aus der Innerschweiz, scheint den 
beiden mit wachem Blick Mut zuzusprechen.


Die Nervosität legt sich sofort, als Panflöte, Alphorn und Orgel 
gemeinsam in der Kirche erklingen, "unplugged" und warm. Das 
vergleichsweise kleine Instrument der Hirten in Osteuropa wird von 
seinem grossen Bruder aus dem Alpenraum und der imposanten Orgel ? 
lustigerweise wurde die Orgel ursprünglich Königshöfen vorenthalten ? 
getragen; das Trio schickt seine Töne leichtfüssig ins Kirchenschiff: 
"The Spirit of Alphorn" und ihre eigene Version des Pop-Hits "Ewigi 
Liebi".

Als das letzte Echo des "AlpPan Trios" verklungen ist, bittet der 
Moderator zur Pause. Vielleicht stellten sich in dieser Zeit viele 
Besucher die Frage, wann Oswald Sattler denn Lieder wie "Komm, ich 
zeig dir die Berge" singen würde. Lieder wie jenes, mit dem er den 
Grand Prix der Volksmusik gewonnen hatte! Den Sänger kann man aber 
nicht auf die Sparte "Volkstümlicher Schlager" reduzieren, der 
bisherige Abend bewies dies eindeutig: Kräftig sang er mit tragender 
Stimme Kirchenlieder, bekannte und auch seltener Gehörtes. "Mir liegt 
viel an diesen Liedern", meinte er einmal, "und wenn's auch dem 
Publikum gefällt, dann passt's.

Der zweite Teil des Konzerts führte das erfolgreiche Konzept des 
ersten Teils weiter: Der Singkreis St.Marien lockte auch die letzten 
Pausengänger zurück auf ihre Sitzplätze, so dass das Stibor-Ensemble 
so richtig zur Geltung kam. Mit einer unglaublichen Performance des 
"Csardas" von Monti ernteten die Deutschen Künstler tosenden Applaus, 
welcher mit einer unerfüllten Forderung nach einer Zugabe abklang. 
Aber der zweite Teil hatte ja auch erst begonnen, das Programm hatte 
noch viel zu bieten!
Mit Oswald Sattlers nächstem Set und einem unvergesslichen "Ave Maria" 
machte das Publikum da weiter, wo es beim Stibor-Ensemble aufgehört 
hatte: Mit tosendem Applaus. Vereinzelt standen bereits Leute auf, so 
sehr bewegten sie die gehörten Lieder, und sie liessen ihren Emotionen 
freien Lauf.


Nach einem kurzen Intermezzo des AlpPan-Trios (diesmal aber aus dem 
"Background" von der erhöhten Empore her) leitete Oswald Sattler mit 
dem "Abendgebet" schliesslich das Finale ein: Ein gemeinsames "Grosser 
Gott wir loben dich". Und gemeinsam bedeutete an diesem Abend: Alle 
Sänger, alle Musiker und auch das Publikum mit seinen rund 600 Stimmen 
sangen wie aus einem Mund.
Danach gab es für das Publikum kein Halten mehr. Das Klatschen liess 
die Kirche in ihren Grundfesten erschüttern, Zugabe um Zugabe wurde 
gefordert, die Menschen standen, manche nur applaudierend, andere ihre 
Fan-Schals schwenkend, es stürmten bewegte Fans in den Chor um Oswald 
Sattler persönlich Blumen und Danksagungen zu überreichen? Eine Zugabe 
gab es dann auch: Ein Lied, das nächstens auf Oswald Sattlers neuer CD 
erscheinen wird als Kostprobe. Der Samen des Konzerts war auf 
fruchtbaren Boden gefallen, man wähnte sich beinahe wie in einem 
Märchen, so bezaubernd war die Stimmung an diesem Abend.

"Es war einzigartig", kommentierten viele Besucher das Kirchenkonzert 
in Solothurn. "Macht doch eine Tournee durch die Schweiz", schlug ein 
junger Mann vor. Jemand fragte, ob die Formationen mit diesem Konzept 
schon lange unterwegs wären; Oswald Sattler, das Klassik Ensemble 
Christoph Stibor, das AlpPan-Duo/Trio und der Singkreis St. Marien. Es 
war einzigartig und wird es heuer in der Schweiz auch bleiben, denn 
eine Tournee ist nicht geplant. Doch was jetzt bereits bekannt ist: Im 
nächsten Frühling wird der Konzertabend zum zweiten Mal in der St. 
Andreas Kirche im St. Gallischen Gossau über die Bühne bzw. den Chor gehen

"Nach dem Konzert ist vor dem Konzert". Diese Aussage machten die 
beiden Haupt-Organisatoren unmittelbar nach dem Kirchenkonzert, das im 
2008 in Gossau SG stattgefunden hatte. Damals stellten sich die beiden 
Organisatoren zuerst noch die Frage, ob sie es nach den Stationen 
Düdingen im Jahr 2006, Wil im darauffolgenden Jahr und eben diesem in 
Gossau im 2008, nicht bei drei Konzerten belassen wollten. Nun, sie 
wollten nicht, und so kann man bereits von einer kleinen aber feinen 
Tradition sprechen. Und sich umso mehr freuen. Fortsetzung folgt.

mehr von Oswald Sattler auf der Stafelpost